IMI-Standpunkt 2026/007

Dynamisch. Greifbar. Tödlich.

Die Kriegsmesse Enforce Tac in Nürnberg

von: Lena Schmailzl | Veröffentlicht am: 18. Februar 2026

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Vom 23. bis 25. Februar findet in Nürnberg die Kriegsmesse Enforce Tac statt. Es ist eine der größten Messen dieser Art in Deutschland. Doch die Stimmen dagegen werden lauter.

Eine Leitmesse für Krieg

Deutschland ist auf Kriegskurs. Das zeigt sich auch an immer häufigeren und immer größeren Kriegsmessen in unseren Städten. Die Kriegsmesse „Enforce Tac“ in Nürnberg ist eine davon. Die Enforce Tac präsentiert sich als „Deutschlands Leitmesse für Sicherheit und Verteidigung“. Mit über 1400 Ausstellern aus 54 Ländern und etwa 20 000 erwarteten Besucher*innen wird sie in diesem Jahr so groß sein, wie nie zu vor.1 Mit dabei sind deutsche Rüstungsriesen wie Diehl, Heckler & Koch und Rheinmetall, aber auch viele Firmen, die auch eine zivile Sparte haben wie Canon oder uvex sowie zahlreiche Verbände, etwa die Allianz faserbasierte Werkstoffe Baden-Württemberg, die deutsche Polizeigewerkschaft, die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen oder auch ein „USK Freundeskreis“.2 Auch das Unternehmen „ATG Kriminaltechnik“ ist vertreten. Als Logo hat es den Punisher-Totenschädel gewählt, ein unter extrem rechten Kräften in Polizei und Militär verbreitetes Symbol.3 Die Firma vertreibt unter anderem Patches, auf denen in altdeutscher Schrift zu lesen ist „Ich bin nicht gekommen um Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ oder in moderner Variante zwei gekreuzte Sniper mit der Aufschrift „From a place you will not see comes a sound you will not hear“4.

Völkermord als Verkaufsargument

Selten werden Kriegshetze und das Geschäft mit dem Tod so offensichtlich, wie im Konzept dieser Messe. Bereits seit drei Jahren wirbt die Enforce Tac dabei mit einem ganz besonderen Highlight: Dem „Enforce Tac Village“. Eine der insgesamt sieben Messehallen wird genutzt, um hier zivile Räume aufzubauen, in denen dann Krieg gespielt wird. Die Idee: Waffen und sonstige Rüstungsgüter sollen nicht nur an den Verkaufsständen, sondern live im Einsatz präsentiert werden. Die Szenarien werden dabei live kommentiert. Auf der Homepage der Enforce Tac klingt das dann so: „Präsentieren Sie Ihre Produkte mitten im Geschehen – live auf der Enforce Tac Village Stage […] eingebettet in authentische Szenarien, entwickelt von aktiven und ehemaligen Einsatzkräften aus Militär und Polizei. Machen Sie Ihr Produkt erlebbar – live, authentisch und praxisnah!“.5Damit knüpft die Kriegsmesse an einer gängigen Vermarkungsstrategie der Rüstungsindustrie an: Das Versprechen, die Waffen seien „einsatzerprobt“ oder „battle proven“.

Besonders wirksam wird dieses Verkaufsargument bei israelischen Rüstungsherstellern. Von 9 bzw. 18 israelischen Herstellern in den letzten Jahren, ist ihre Zahl in diesem Jahr auf über 38 gestiegen und ein eigener „Israel National Pavillion“ wird aufgebaut. Unter den Ausstellern ist unter anderem die Firma Rafael, die im letzten Jahr ein Werbevideo veröffentlichte auf dem zu sehen war, wie das beworbene Drohnensystem einen Menschen in Gaza verfolgt und dann umbringt.6 Zahlreiche weitere Aussteller bei der Messe wie Rheinmetall und Elbit werben mit einer besonders hohen „hit-kill ratio“7 oder einer „enhanced lethality“ – verbesserten Tödlichkeit8.

Eine Kriegsmesse in der Stadt des Friedens

Die Stadt Nürnberg präsentiert sich nach außen gerne als „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“ – aber sie stellt die Räume für die Messe zur Verfügung. Das Messegelände gehört zu jeweils 49,9 % der Stadt Nürnberg und dem Freistaat Bayern. Mehrere Stadträte von CSU, SPD und Grünen sitzen im Aufsichtsrat der Messe, der Nürnberger OB sitzt im Vorstand.9 Erstmalig ist der deutsche Bundeskanzler in diesem Jahr Schirmherr der Messe. Ihn zitiert auch die Leiterin der Messe in der Wiederholung der immer gleichen Kriegspropaganda: „Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen.“10 Oder wie es die bei der Messe vertretene Firma ATG in kurz formuliert: „If you want peace – prepare for war“. Die Firma ist bei ihren Layouts wenigstens so ehrlich einen Totenkopf in die Mitte dieses Ausspruches zu setzen. Die Enforce Tac dagegen scheut nicht einmal davor zurück neben den Kriegsszenarien auf ein Awareness Konzept „AwareFlair“, inklusive Safer Space zu verweisen. „Gemeinsam achtsam“ lautet die Überschrift.11 Achtsam morden wäre wohl passender.

Keine Kriegsmesse in unserer Stadt!

Doch gegen die zynische Vermarktung von Krieg wird Protest laut. Nachdem es einige Jahre still um die Messe war, kam aus der Palästina Solidaritätsbewegung der Anstoß hier aktiv zu werden. Seit inzwischen drei Jahren gibt es jetzt jedes Jahr Aktivitäten gegen die Messe. Die Kampagne Enforce Tac absagen plant unter anderem eine Kundgebung direkt vor der Messe und eine Mailkampagne wurde gestartet, in der mit wenigen Klicks Protestmails an die Verantwortlichen von Stadt und Messe verschickt werden können.12 Bei Gesprächen an Infoständen und bei Flyerverteilungen wird deutlich, wie viele Menschen diese Kriegsmesse ablehnen. Ein weiterer Punkt der Arbeit gegen die Enforce Tac sind erste vorsichtige Ansätze der Aktivierung von Arbeiterinnen und Arbeitern gegen die Kriegsmesse: Durch Hotels, im Catering, der Security, Reinigungsfirmen, Transport sind viele Menschen durch ihre Arbeit mit der Messe verbunden. Vielen ist bisher nicht bewusst, um welche Messe es hier geht. Teilweise mussten palästinensische Mitarbeiter feststellen, dass sie bei der Messe die Sicherheit für genau die Firmen übernehmen sollen, die ihre Familien ermordet haben. Als sie sich daraufhin an den Protesten gegen die Kriegsmesse beteiligten, erhielt mindestens ein Kollege Hausverbot und in der Folge kaum noch Aufträge bei der Sicherheitsfirma. Diese Reaktion zeigt vor allem den Schwachpunkt der Messe: Ohne hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Bereichen könnte diese Kriegsmesse nicht stattfinden. Eine klare Forderung bei den Protesten in diesem Jahr ist daher: Niemand darf gezwungen werden für eine Kriegsmesse zu arbeiten!

1 https://www.enforcetac.com/de-de/alles-ueber-die-messe/messedetails-und-rueckblick

2 https://www.enforcetac.com/de-de/aussteller-produkte,

3 Allgemeiner zum Symbol am Beispiel der Nutzung durch die Züricher Polizei: https://tsri.ch/a/von-rechtsextremen-genutzte-symbole-bei-zuercher-polizei-weit-verbreitet-punisher-thin-blue-line

4 https://www.enforcetac.com/de-de/aussteller/atg-kriminaltechnik-gmbh-2476168, https://www.atg-kriminaltechnik.de/collection/patches/

5 https://www.enforcetac.com/de-de/programm/village

6 https://www.business-humanrights.org/en/latest-news/israelopt-rafael-releases-promotional-video-showing-drone-system-tracking-killing-gazan-during-ongoing-genocide/

7 Etwa in dieser Broschüre zu verschiedenen Munitionstypen von Rheinmetall: https://www.rheinmetall.com/Rheinmetall%20Group/brochure-download/Weapon-Ammmunition/B233e0920-Rheinmetall-Leadership-in-ammunition-effectiveness-medium-calibre-portfolio.pdf

8 Zum Beispiel in dieser Drohnenwerbung von Elbit Systems, auch bei der Messe dabei: https://www.elbitsystems.com/networked-warfare/robotic-and-autonomous-solutions/tactical-unmanned-aerial-systems

9 https://www.nuernbergmesse.de/de-de/unternehmen/nuernbergmesse-group/daten-fakten

10 https://esut.de/2026/01/fachbeitraege/67222/enforce-tac-chefin-jasmin-rutka/

11 https://www.enforcetac.com/de-de/alles-ueber-die-messe/awareness

12 Maillink: https://tinyurl.com/Enforce-Tac-absagen